Mein Fahrrad

Mein Fahrrad, ein schwarzes Gazelle-Rad ohne Gangschaltung (nur mein Fahrrad und ich), habe ich im März 1989 erworben. Das war der einzige positive Effekt des Lehramtsreferendariats in Bocholt, in dem ich damals steckte. Zum Glück konnte ich in Münster wohnen, wo ich auch heute noch bin.

Seit also nunmehr 23 Jahren begleitet mich mein Fahrrad durch sämtliche Lebenslagen. Es war immer da, egal, wie furchtbar die Jobs waren. Ob bei Glatteis (zum Glück erst beim Absteigen bemerkt) bei Dunkelheit im Winter um 7 Uhr morgens übers freie Feld zur Versicherung, bei Gewitter (keine Nachrichten gehört) unter den Bäumen her zur Sparkasse, zum Arbeitsamt oder zum jetzigen Arbeitsplatz: Das Fahrrad war immer da, um mich morgens zu begrüßen und nach der Arbeit verlässlich und treu in Empfang zu nehmen. Ganz zu schweigen von diversen Umzügen, die es tapfer mitgemacht hat.

Geputzt wird es mittlerweile nicht mehr, so dass es eine würdige Patina angesetzt hat. Nun hoffe ich, dass ich es wie Anna Wimschneider bis an mein Lebensende behalten kann. Dann schiebe ich damit, wenn ich nicht mehr fahren kann, meine Einkäufe, an den Lenker gehängt, nach Hause.

Obwohl Münster Fahrradstadt und damit Stadt des Fahrraddiebstahls ist, ist es mir bis jetzt nicht abhanden gekommen, nur einmal fast, vor ein paar Wochen. Ein Bewohner aus meinem Haus, ein Student, hatte es für das Fahrrad seiner Freundin gehalten und es in deren gemeinsamen Keller gestellt. Als ich allerdings am ersten Morgen nach dem Urlaub in den Keller kam, um das Fahrrad für den Weg zur Arbeit nach oben zu holen, war es weg, und ich wusste da noch nicht, wohin. Der Schreck war groß, denn das Fahrrad ist ja ein Überlebensmittel, und ich sah es schon weinend alleine in der Fremde. Nachdem ich dann die Versicherung gesprochen hatte und bei der Polizei war, muß ich gestehen, dass ich fast Gefallen an der Idee eines neuen Fahrrads gefunden hatte, dass ich mir von dem Geld der Versicherung hätte leisten können. Als ich es dann aber wieder sozusagen in den Armen hielt, habe ich mir diesen ketzerischen Gedanken natürlich verboten und bin jetzt glücklich, dass es mich nach wie vor und hoffentlich noch sehr lange begleitet.
Stephanie