Eine alte Beziehungskiste

Karl musste gehen vom Krügerhof, wo er Knecht war.
Schon seine Mutter lebte dort als Magd, seit er denken konnte.
Dem alten Krüger hatten sie es gesagt, seine Mine und er.
Sie wollen heiraten, jetzt wo ein Kind unterwegs ist.
„Meine Tochter kriegst du nur über meine Leiche. Vielleicht bist du och ener von mir!“
hatte er geantwortet.
So ist er nach Berlin gegangen 1888, arbeitete im Urban-Krankenhaus als Pfleger.
Er hat sich nicht viel gegönnt, hat gespart für die Zukunft mit Mine.
Sie schrieben einander Briefe.
Die Wirtschaft dort lief eher schlecht. Der Alte war kein guter Hausherr seit Frau und Kinder gestorben waren.
Seine einzige Mine war seine Stütze und ihre war Karl. Der hielt zu ihr.
Einmal schickte er ihr eine Fahrkarte. Sie setzte ihren Jungen in den Zug zum Ostbahnhof- mit dem Namensschild um den Hals damit ihn der Vater erkennt.
Erst nach 13 Jahren starb der Alte.
Karl kehrte zurück mit diesem Koffer. Darin seine Habseligkeiten aus der Berliner Zeit
und der Plan für ein neues Haus und Startkapital aus Ersparnissen.
Zehn Jahre lebten beide gemeinsam, dann ging Karl- für immer.
Viele Jahre verbrachte der Koffer auf dem Dachboden.
Seine Enkelin gab ihm nach 80 Jahren einen Farbanstrich uns nutzte ihn als Truhe.
Ich, die Urenkelin kleidete ihn mit neuem Soff aus.
Mit mir zog er wieder an seinen Herkunftsort und mit ihm diese Liebesgeschichte.
Beate