Der Pinguin

Als meine Cousine Ihr neues Zuhause bezog, machten wir einen gemeinsamen Rundgang und im Keller fand sich ein ausgestopfter Pinguin. Der müsse natürlich auf den Müll, meinte sie, worauf ich ihn mir schnappte und mit zu mir nahm. Hier stellte ich ihn auf ein Regal und da stand er dann. Immer mal wieder wurde gegrübelt, was man mit so einem Ding tun könnte, oder ob er nicht doch auf den Müll gehört. Er blieb, staubte ein, wurde gelegentlich in die Hand genommen oder als besonderes Kuriosum herumgezeigt und er wirkte immer irritierend deplaziert. Manchmal stand ich vor ihm und fragte mich, welche Geschichte er hat. Er blieb natürlich stumm und ich fand, er wirkt irgendwie traurig. Als ein befreundeter Maler Geburtstag hatte und ich wußte, daß er schon einige seltsame ausgestopfte Tiere besitzt, fand ich dies sei endlich die Bestimmung des Pinguins. Neben einem ausgestopften Huhn in einem Maleratelier zu stehen würde Sinn machen.
Von nun an erhielt ich regelmäßig Lebenszeichen: Des Malers Kinder fanden ein Pinguin müsse ins Wasser und nahmen ihn mit in die Badewanne- er wurde gerettet. Er wurde bewundert und bestaunt, seine Echtheit angezweifelt und wieder bestätigt.
Eines Tages kam ein Paket. Der Maler hatte den Pinguin gemalt. Mehrmals schon, aber immer, wenn das Bild fertig war, wurde es von jemandem aus dem Atelier getragen. Auf meinem Bild steht: Da bin ich doch, da bleib ich nun. Und so hängt der Pinguin an der Wand, reckt den Schnabel in die Luft und schaut beredt auf mich herab, ein bißchen verschmitzt, wie ich finde, und hat endgültig seine Bestimmung gefunden.

Angela Schröder, Bergsdorf