Der Hut vor meiner Tür

Seit etlichen Monaten bin ich nun schon mit dem DINGE-Projekt beschäftigt. Mit jedem Tag, jedem Gespräch darüber wächst es und verändert sich, nimmt immer konkreter Gestalt an.

Die DINGE um mich herum sehe ich mit neuen Augen, ich entdecke Zitate, Gedichte, Redewendungen; entdecke Dinge in meinem Alltag neu.

Und plötzlich scheinen auch Dinge zu mir zu finden. Ganz allein. Wie vom Himmel geschickt…

Am Sonntagmorgen öffne ich meine Wohnungstür und dort liegt ein Hut auf dem Boden. Er wirkt nicht, als wäre er verloren worden, eher als habe jemand ihn bewußt vor meiner Tür abgelegt.

Ein Spiel aus meiner Kindheit kommt mir in den Sinn: „Schraps hat den Hut verloren…“ Ob die Götter das gerade spielen? „… Cornelia hat ihn“

Ich spiele mit und lege ihn ein Stockwerk tiefer vor die Wohnung einer Mitmieterfamilie, die seit wenigen Tagen einen jungen Hund hat. Vielleicht hat er ihn ja nach oben getragen.

Als ich gegen Mittag wieder ins Haus komme, liegt der Hut immernoch dort. Ich frage bei der Familie und auch bei den anderen 4 Familie im Haus nach, ob jemandem der Hut gehört. Schließlich nehme ich den herrenlosen gesellen mit zu uns und gewähre ihm Asyl.

Ich betrachte ihn mir genauer: ein stattlicher Männerhut aus gutem Leder, ein bißchen abgewetzt, vom Hutband ist nur noch die Klebespur übrig. Auf beiden Seiten kleine Lochösen, damit der Wind einem das Haar unterm Hut lüften kann. Er riecht ein bißchen nach altem Rauch. Also hat er eine Geschichte…Da erst kommt mir das DINGE-Projekt in den Sinn! Eine eigenartige Geschichte, wie ein DING zu einem kommen kann. Sonst bin ich doch immer diejenige die Hüte VERLIERT!

Dank an die Götter, ich nehme Eure Gabe an!

Cornelia Schlemmer, 11.9.2012