Einen Bettbezug reparieren

Es war der 22. Juli 2011.
Ich fuhr in meinem Auto, als ich im Radio hörte, dass gerade etwas sehr Ernstes und Aufregendes in Norwegen passiert ist. Ein Mann war verhaftet worden, nachdem man 77 Todesopfer, hauptsächlich Kinder und Jugendliche, auf der Urlaubsinsel Utøya in der Nähe von Oslo gefunden hatte.
Mein erster Gedanke war, dass es nicht wahr sein konnte. Aber die Nachrichten wurden immer und immer wiederholt. Und der Mann hatte alles gestanden: er war Anders Breivik, ein Rechtsradikaler, der diese Tat seit mehreren Jahren geplant hatte; er hatte auch eine Bombe im Regierungsviertel gezündet.
Während der Nacht und am nächsten Tag waren alle Medien voll von schockierenden Aussagen. Der norwegische Staatsminister redete im Fernsehen über die unfassbare Trauer, über den Verlust all dieser jungen Menschen.
Ich war an diesem Tag völlig gelähmt vor Schmerz. In einer schwarzen Höhle. Etwas Lebenswichtiges war kaputt gegangen.

Aber ich konnte nicht nur zu Hause sitzen und an die Wand starren.
In meinem Schrank hatte ich einen alten Bettbezug entdeckt, den ich in den Abfall werfen wollte. Er war kaputt, nachdem die Familie ihn viele Jahre benutzt hatte; alle meine Kinder hatten darin geschlafen. Er war von allen Waschungen abgewetzt. Und jetzt begann ich, dieses alte Textilstück weinend zu reparieren.
Es war wie eine Trost-Tat. Ich arbeitete den ganzen Tag mit dem Ziel, etwas Kaputtes wieder heile zu machen. Dieses Textilstück zu reparieren bedeutete Leben und Liebe. Und Widerstand. Es sollte nicht weggeschmissen werden.
Die Welt war von einer bösen Tat zerstört, und ich musste ein Ding, ein kleines Teil der Welt, reparieren.

Gittan Jönsson
Schweden